User Story Mapping – Die Reise der Nutzer

Wie kann die Brücke zwischen Nutzer und Entwickler aussehen, die auch Produktmanager nicht außen vorlässt? Eine User Story Map dient hier als Hilfsmittel.

Im Zentrum der agilen Produktentwicklung stehen die Nutzer (eng. User). Um Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln, ist das Verständnis über das Nutzverhalten und die Eigenschaften der User essentiell. Die Methode „User Story Mapping“ (nach J. Patton) dient als Hilfestellung, um die Produktentwicklung an dem Verhalten der Nutzer auszurichten. Oft wird diese Methode zu Beginn des ersten Produktentwicklungszyklus genutzt, damit sich das Team in die Nutzer hineinversetzt. Folglich erzählt das Team aus der Nutzersicht die Geschichte, wie ein Nutzertyp ein bestimmtes Ziel mit dem Produkt erreicht. Die User Story Map ist ein lebendes Artefakt, das sich kontinuierlich weiterentwickeln kann und soll.

Wie erstelle ich eine User Story Map?
Die Erstellung der User Story Map teilt sich in ca. sechs Phasen ein. Beispielsweise gehen wir in diesem Beitrag davon aus, dass ein User eine Mahlzeit über eine Lieferapp bestellen will. Für Projektleiter oder Produktmanager bzw. Product Owner liegt hier die Herausforderung, die Brücke zwischen einem Entwicklerteam und potentiellen Nutzern mitzudenken. An dieser Stelle kann eine User Story Map von Vorteil sein.

1. Phase: Personas identifizieren
In der ersten Phase werden Personas der unterschiedlichen Nutzertypen erstellt. Für jede einzelne Nutzergruppe wird eine eigene User Story Map erstellt. Folgende Fragen helfen bei der Persona Erstellung:

1) Wer sind die Nutzertypen (-gruppen)? Wer gehört zu unserer Zielgruppe?
2) Welche Eigenschaften haben die Nutzertypen?
3) Was ist das Ziel der einzelnen Nutzertypen?

Für unser Beispiel wählen wir eine Familie mit berufstätigen Eltern aus, die abends zu erschöpft sind, um zu kochen. Eine weitere Persona stellt ein alleinstehender Student dar, der Sonntags vor seinem leeren Kühlschrank steht und hungrig ist.

2. Phase: User Stories erzählen
In dieser Phase werden die einzelnen Geschichten erzählt, d.h. welche einzelnen „User Tasks“ die ausgewählte Zielgruppe mit dem Produkt durchläuft. Der Prozess des Nutzers wird in dieser Phase vom Anfang bis zum Ende betrachtet, aber es wird nicht zu tief in die einzelnen Schritte eingetaucht. Patton fasst dies folgendermaßen zusammen: „Kilometerweit denken, aber nur Zentimeter tief.“

Auf unser Beispiel bezogen, könnte folgende Frage gestellt werden: „Was sind die einzelnen Schritte, um das Ziel „Essensbestellung“ bei unserem User zu erreichen? Nehmen wir Beispielsweise die berufstätigen Eltern: Die Eltern gehen kurz durch vorgeschlagene Angebote, wählen eine bevorzugte Küche aus und entscheiden sich für vier mediterrane Hauptgerichte, davon zwei Kinderportionen. Sie wollen das Essen per App mit ihrem Paypalkonto bezahlen. Diese Schritte halten wir auf unserem Board in einer Reihe fest.

3. Phase: Erstellung von übergreifenden Aktivitäten
In der dritten Phase liegt der Fokus auf der Zusammenfassung der einzelnen User Stories zu übergreifenden Aktivitäten, d.h. hier werden die einzelnen Etappen geclustert. Die Aktivitäten werden über die dazugehörigen User Stories platziert (s. Abbildung).

In unserem Beispiel bedeutet dies, dass ein Cluster mit folgenden Aktivitäten erstellt wird: Recherche durchführen, Suche eingrenzen usw.

4. Phase: User Stories runterbrechen
In dieser Phase werden die User Stories in diverse Szenarien runtergebrochen, d.h. welche einzelnen Punkte stecken hinter den einzelnen Stories. Beispielsweise werden an dieser Stelle unterschiedliche Features zusammengetragen (Was wäre wenn?), Fragen sowie Suchkriterien aufgestellt und Aufgaben definiert. Hierbei ist es wichtig, dass sowohl aus der Nutzerperspektive als auch aus der Teamperspektive gedacht wird. Ein gut geschultes agiles Team erspart hier eine Menge Zeit und Kosten. In dieser Phase werden erste Meilensteine geplant und kleine Erfolge sichtbar.

Runtergebrochen beinhaltet dies in unserem Beispiel die Möglichkeit einer Filterfunktion in der Lieferapp und wie diese aus Nutzersicht aussehen müsste, um spezifisch, aber nicht zu detailliert, zu sein. Zudem wird die Frage gestellt, wie ein Entwicklerteam es erreichen kann, dass der User das findet was er herausfiltern möchte.

5. Phase: Releases (dt. Veröffentlichungen) planen
Die zuvor aufgestellten Szenarien werden in dieser Phase nach dem MVP (minimal viable product) Gedanken in verschiedene Releases eingeteilt, sozusagen eine Produktskizze. Hier stellt sich das Team die folgende Frage: „Mit was befüllen wir das Produkt als nächstes?“.

Also in unserem Beispiel: Macht es Sinn erstmal nur italienische Restaurants aufzuführen und dann nach und nach zu erweitern?

6. Überführung der einzelnen User Stories und Tasks in ein Backlog
In der letzten Phase steht die Aufstellung einer ganzheitlichen Entwicklungsstrategie im Vordergrund. Das bedeutet, die User Stories und Tasks werden als Tickets in ein Backlog übertragen und es startet die Arbeit am Produkt.

Unsere Tipps für die Erstellung von User Story Maps:

  1. Kontinuierliche Weiterentwicklung der User Story Map gewährleisten.
  2. Beim Erstellen der User Stories auf die richtige Balance im Tiefgang achten, d.h. nicht direkt nach der Lösung für eine Story suchen.
  3. Workshopteilnehmer für die User Story Map: Laden Sie die richtigen Leute zu den Workshops ein. Stakeholder? Scrum Master? Fragen Sie sich wer wichtig ist und wer den Rahmen sprengt.
  4. Bei einem lebenden Artefakt ist die Synchronisierung mit dem Backlog essentiell
  5. Achten Sie auf ihr Zeitmanagement im Planning

Sie wollen ebenfalls den Blick für den Nutzer schärfen? Sind sich unsicher, ob die Entwicklung einer User Story Map einen Mehrwert schafft? Oder nutzen das User Story Mapping schon, aber haben den Eindruck, dass es Verbesserungsbedarf gibt? Wir unterstützen Sie gerne bei der Einführung oder Optimierung dieses spannenden Tools.

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